Raukur


Nur eine kurze Episode aus einem langen Reiterleben...

Ich reite schon seit über 30 Jahren. So lange hat unsere Familie auch schon immer eigene Pferde.
Wir halten unsere Pferde auf eigenem Gelände (naja, Pacht) im Offenstall.
Im Laufe der Jahre haben wir auch immer unsere Neuzugänge selbst angeritten und ausgebildet. Das hat immer recht gut funktioniert, weil wir uns sehr viel Zeit lassen. Wir sind schon vor vielen Jahren von den Großpferden zu den Isländern gelangt.
Eigentlich hätte es so bleiben können, aber das Leben hat immer wieder Überraschungen parat...
Anfang 2007 begab es sich dass ich mir wieder ein Pferd für mich kaufen wollte. Natürlich sollte es ein Isi sein. Und zu meiner Statur passen. Also groß und kräftig sollte er sein.

So fand ich dann Raukur. Standartaussage: Brav, geländesicher, Schmiedefromm, verladefromm...
Der Proberitt war ok, das Pferdchen war, kräftig, hübsch etwas scheu, aber mit netter Ausstrahlung.
Als er dann ein paar Tage bei uns war, kam einiges an unerklärlichem Verhalten hervor. Insgesamt panisch, auch beim Reiten. Beim Reiten so schlimm, dass er aus dem Nichts heraus sich bis zum Rodeo steigerte. Heute sind wir übezeugt, dass beim Ausprobieren und beim Abholen des Pferdes etwas nicht koscher war.
Nachdem ich ein paar mal runter geflogen war (schmerzhaft, denn in meinem Alter fällt man nicht mehr so elegant), beschloss ich, dass ich die Ursache angehen muss.
Welche Ursache? Tja, irgend jemand hat dem Pferdchen das Vertrauen zum Mensch komplett genommen.
Ein neunjähriges Pferd wie ein Fohlen zu behandeln kostete zuerst mal Überwindung. Aber das und die richtige Portion Horsemanship brachten uns weiter. Wegen der vielen Rückfälle dauerte es bis Anfang letztes Jahr, bis ich wieder Raukur reiten konnte. Bis zum Herbst ging alles recht gut, obwohl ich sehr vorsichtig mit ihm umgehen musste. In der ganzen Zeit habe habe ich mir alles an Literatur reingelesen, was passend schien. Ich habe mir Rat bei guten Freunden geholt, Pferdemenschen noch genauer als sonst beobachtet.
Rückblickend muss ich sagen, dass Raukur meine Einstellung zu Pferden grundlegend geändert hat. Bitte jetzt nicht denken, ich hätte vorher Pferde schlecht behandelt hätte!
Nein, sicher nicht, eher normal, so wie viele andere Reiter es machen.
Heute setze ich mehr auf Körpergefühl und Körpersprache. Ich gebe den Stimmungen von mir und meinem Pferden mehr Raum. Denn ohne diesen Raum wird manche Antwort des Pferdes unterdrückt.
Alles war wunderbar mit Raukur, bis letzte Dezember. Ich ritt auf dem Platz alles war gut. Ich wollte aus der Ecke in Seitengang. Er reagierte nicht auf meine Hilfe. Ich verstärkte. Dann reagierte er so heftig, dass ich das Gleichgewicht verlor, was ihn veranlasste nicht mehr seitwärts zu laufen, sondern zu springen. Schließlich rutschte dann noch der Sattel rum. Und ich landete äußerst unelegant unten. Diesmal mit ein paar kaputten Rippen, Prellungen und Blutblase.
Ende der Geschichte:
Da mir meine Liebste verbot mich nochmals dem Risiko auszusetzen, suchte ich ein gutes Zuhause für Raukur und machte mich auf die Suche nach einem anderen Pferd.
Wir haben uns gefunden, Peter und Pauline.